Selbsthilfe und ländlicher Raum

Die Abwanderungsbewegung junger Menschen aus ländlichen Regionen in städtische Gebiete hinein ist ein seit vielen Jahren beobachtbares Phänomen. Damit wächst nicht nur der Anteil älterer Menschen auf dem Land, sondern verstärkt zudem die Auswirkungen des demografischen Wandels in diesen Regionen. Die dadurch entstehenden Herausforderungen sind für die gemeinschaftliche Selbsthilfe sowie für die Selbsthilfeunterstützungseinrichtungen vor Ort immens. So sind einige Selbsthilfekontaktstellen für sehr große Einzugsgebiete zuständig, die personelle Ausstattung ist mitunter nicht ausreichend zur Bedarfsabdeckung in den großen Regionen und es gibt vergleichsweise weniger Selbsthilfegruppen und -angebote als in städtischen Einzugsgebieten. Und nicht zuletzt die mangelnde Mobilität der älteren Bevölkerungsgruppen und die ungenügende Infrastruktur in den weniger dicht besiedelten Gebieten erschweren die Zugänge zur gemeinschaftlichen Selbsthilfe für die Betroffenen (vgl. Thiel/Hundertmark-Mayser 2017).

Um den genannten Herausforderungen begegnen zu können, benötigt es neue Strategien und Handlungsmöglichkeiten. Eine Perspektive bietet die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft, innerhalb der gemeinschaftlichen Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung. Digitale Selbsthilfenagebote können den Austausch und die Aktivitäten von Selbsthilfegruppen fördern und Betroffene vernetzen. Unausweichlich erscheint dafür der Ausbau der Netz- und Infrastruktur sowie die Verfügbarmachung der technischen Möglichkeiten im ländlichen Raum. Weiterhin gilt es künftig die Leistungen der Unterstützungsarbeit durch aufsuchende Angebote und die entsprechenden Rahmenbedingungen der professionellen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die erhöhte Mobilität zu verbessern.  

Zwischen 2016 und 2019 wurde das Thema Selbsthilfe und ländlicher Raum durch Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt mit einer Studie zur Selbsthilfeförderung im ländlichen Raum wissenschaftlich begleitet. Das Projekt wurde durchgeführt von der Selbsthilfekontaktstelle Weißwasser, getragen von „Soziales Netzwerk Lausitz“. Die Studie „Selbsthilfeförderung im ländlichen Raum. Das Fallbeispiel der KISS in Trägerschaft von ‚Soziales Netzwerk Lausitz‘“ stellt den Abschlussbericht des Projekts zur Förderung der Selbsthilfe im Sinne des § 20h SGB XI im ländlichen Raum in der Region Lausitz/Kreis Görlitz dar, finanziert von der AOK PLUS in Sachsen und Thüringen.