Woche des Sehens – Selbsthilfe goes KiTa

Woche des Sehens – Selbsthilfe goes KiTa
Die Welt mit den Fingern „sehen“

Dresden, 12.10.2020. Das Sehen von Farben, Formen und Emotionen anderer Menschen ist für die allermeisten von uns eine Selbstverständlichkeit. Was bedeutet es aber für den Alltag, wenn wir in der Sehfähigkeit bis hin zur Blindheit eingeschränkt sind? Die bundesweite Aufklärungs- und Informationskampagne „Woche des Sehens“ widmet sich seit dem Jahr 2002 immer im Oktober alljährlich diesem Thema. Das nahm die Landeskontaktstelle Selbsthilfe Sachsen (LAKOS Sachsen) zusammen mit dem Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen e. V. (LAG SH) und der städtischen bilingualen Integrationstagesstätte auf der Maxim-Gorki-Straße in Dresden Pieschen zum Anlass, sich vom 05. bis zum 12.10.2020 bei einer Projektwoche mit Kindern aus der Kindertagesstätte mit dem Nicht-Sehen zu beschäftigen.

Die Projektwoche mit bis zu 12 Kindern startete an einem verträumten Montagmorgen um 09:30 Uhr unter der Projektleitung von Philine Stapff. Auf der „geheimen Wiese“ der Einrichtung wurde sich vorsichtig den Herausforderungen des Nicht-Sehens genähert. Denn es stand, neben einer kurzen Buchlektüre von „Wie Lara mit den Fingern sieht“, das nicht ganz so einfache blinde Erfühlen von Reis, Quinoa, Linsen oder Mehl auf der Tagesordnung. Fühlen, Wahrnehmen und gegenseitiges Unterstützen galt es auch im weiteren Projektverlauf aus einer neuen Perspektive heraus zu erproben. Aufregende Parcours-Partnerübungen, Klangübungen zum Finden eines sich versteckenden Freundes nur anhand eines leisen Geräusches, witzige Sprach- und Wahrnehmungsspiele sowie das blinde Meistern von Alltagssituationen, wie etwa das Brotschmieren, wurden in den folgenden Tagen spielerisch ausprobiert. Manchmal war das gar nicht so einfach. Aber abgesehen von einem nassen Fußboden, blieben Unfälle glücklicherweise aus und die gestellten Hürden wurden erfolgreich überwunden! Damit sind die kleinen Teilnehmenden schon früh für die Herausforderungen bei einer Sehbeeinträchtigung sensibilisiert worden und mögliche Berührungsängste mit Herrn Thorsten Gruner zum Projektabschluss am 12.10.2020 konnten somit ebenfalls bereits im Vorfeld abgebaut werden. Herr Gruner, selbst von Blindheit betroffen und Vorstand im Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e. V. sowie der LAG SH, brachte für das Projektende noch zahlreiches Anschauungsmaterial für die Kinder mit. Also führte er den staunenden Kindern vor, wie selbst das Fußball- und Kartenspielen, das Laufen auf der Straße oder gar das Schreiben auf der Schreibmaschine als blinder Mensch möglich ist. Es bedarf dazu nur ein paar Hilfsmittel wie einen Langstock für Blinde oder die Punktschrift, mit der Nicht-Sehende trotzdem „lesen“ können – nur eben dann mit den Fingern. Das Highlight war sicherlich die sichtlich nervöse Blindenführhündin „Kessy“. Neugierig und aufgeregt hielten die Kinder zunächst lieber etwas Sicherheitsabstand. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit trauten sich einige Mutige dann doch, den großen weißen Schäferhund mal zu streicheln. Damit endete die spannende Projektwoche wild, laut und haarig.

Das Kooperationsprojekt zwischen den Vertreter*innen der Selbsthilfe, Selbsthilfeunterstützung und der bilingualen Integrationstagesstätte fand sehr viel Anklang bei den Beteiligten. Eine Fortsetzung und sogar der Ausbau der Zusammenarbeit mit Blick auf das Informieren und Sensibilisieren über die Themen Blindheit, Wahrnehmung und Selbsthilfe ist künftig angestrebt. Die LAKOS Sachsen bedankt sich bei den Beteiligten der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen e. V., Herrn Gruner vom Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e. V. sowie den Mitarbeiterinnen der KiTa für das tolle und sehr gelungene Projekt!